Samstag, 20. September 2014

Er war so widerlich

der alte Methusalem (der greise Makler).
Wie er da saß.
Feist grinsend, beinahe lief ihm ein Sabberfaden von der Hängelippe,
die die gelben Zähne entblößte.
Der braucht dieses Jahr nicht mehr zu arbeiten.
Vor unserer Beurkundung war noch eine mit ihm, bei der er sicherlich noch mehr abzocken konnte.

Sein Glück war ihm so abartig anzusehen, dass ich mich gar nicht konzentrieren konnte.

Es war traumatisch.
Ehrlich, ich habe von dem Ekelzwerg geträumt.....

Ich will das ganz schnell vergessen.

Denn jetzt haben wir das Stück Hütchenburg.
Methusalem hat es immer noch nicht aus dem Netz genommen.
Selbst Schuld, wenn er weiter bepöbelt wird.
Geschieht ihm Recht.
Wahrscheinlich weiß der alte Knacker gar nicht, wie er es aus dem Netz wieder rauskriegt.

Irgendwann werde ich den auf dem Wochenmarkt treffen und dann werde ich ihm sagen, dass ich nur nett zu ihm war, weil ich das Grundstück haben wollte.

.....

Nun geht die Suche weiter.
Für das Übergangshütchenheim.
Irgendwo müssen wir ja noch unterkommen, wie einige von Euch ganz richtig festgestellt haben.
Wir haben noch eine Miniwohnung in Blindheim.
Aber die bewohnen meine Schwiegereltern, wenn sie von ihrer warmen, sonnigen Insel in den kalten Norden reisen.
Die finden das bestimmt nicht witzig.
Außerdem hat die nur zwei Zimmer und Fröhlich nimmt es uns sicherlich übel, wenn er ein Feldbett auf dem Balkon bekommt.

Erschwerend kommt hinzu, dass die Wohnung weit weg von der Baustelle wäre.
Das geht nicht.
Ich muss den Leuten tagtäglich für mehrere Stunden auf den Geist gehen.
Morgens und nachmittags.
Die Erfahrung lehrt, dass man die nicht allein lassen darf.

Bisher hatten wir nur Kleinkram zu machen.
Aber da haben die mich schon geärgert.

Als wir hier einzogen war es voll hip, gelbe Wände zu haben.
Also habe ich in einem Nebensatz erwähnt, dass die Wände einen Gelbton bekommen sollen.
Als ich am nächsten Tag ins Haus kam, traf mich fast der Schlag.

NEONGELB - ALLE Wände!

Und dann auch noch so schlecht tapeziert, dass die alles wieder runterreissen mussten.
Ich bin hier wie Rumpelstilzchen im Kreis gesprungen.
Insgesamt mussten sie die Raufasertapete im Schlafzimmer dreimal aufbringen.
Danach haben die Herren nichts mehr gemacht ohne mich vorher um Erlaubnis zu bitten.
Beim nächsten Haus sollte ich für solche Angelegenheiten einen vernünftigen Mittelweg finden...

Toll war auch der Typ, der unsere Terrassentreppe in den Garten neu gemacht hat.
Die hatte Frostschäden und musste komplett eingerissen und neu aufgebaut werden.

Ich komme mittags mit meiner Mutter nach Hause und er steht stolz vor seinem Werk.
Meine Mutter fängt an zu lachen.
Ich verfalle in Schnappatmung.
Statt wie vorher acht Stufen hatte die Treppe nur noch sechs.
Das wäre ja nicht soooo schlimm gewesen, aber die oberste Stufe war mindestens dreimal so hoch wie die anderen.

"Nun muss meine Tochter immer im Spagat auf die Terrasse", johlt meine Mutter ausgelassen.

"Wieso?", fragt der Trottel.

"Vielleicht weil Ihnen da ein Missgeschick mit der obersten Stufe passiert ist?", frage ich um Fassung bemüht. "Da waren acht Stufen. Warum sind es nur noch sechs?", bohre ich weiter.

"Das waren niemals acht Stufen. Die Treppe ist genauso wie früher!", antwortet er wütend.

"Nein."

"Das beweisen Sie mir mal!", motzt er mich an.

"Wie bitte?", japst meine Mama lachend.

"Ich habe Fotos " , sage ich drohend.

"Zeigen Sie die doch mal", erwidert er frech grinsend.

Ich hatte wirklich welche.
Und dann stand er da und kratzte sich am Kopf, um Minuten später seinen Chef anzurufen und zu fragen, was er denn nun machen soll.
Der Chef kam, um sich den Schaden anzuschauen und wollte mir allen Ernstes die Treppe als gelungen verkaufen.
Meine Mutter kriegte sich überhaupt nicht mehr ein.
Die lacht noch heute, wenn das Wort Treppe fällt.
Wahrscheinlich weil sie sich immer vorstellt, wie ich die oberste Stufe zu erklimmen versuche....

Letztendlich hat der Chef eine andere Firma beauftragt, die die Treppe fachgerecht wieder herstellte.

Wie gesagt, bisher nur Kleinkram.
Aber ein ganzes Haus wird wohl einiges mehr an Nerven kosten und meine Mama hat noch mehr zu lachen.

Habt einen schönen Tag,
vany

Kommentare:

  1. Oh ja, über diese Erlebnisse kann wohl jeder berichten, der mal gebaut hat. Ich erinnere mich nur mit Schaudern daran. Nicht nur schlimm genug, daß da jemand was vermasselt hat, muß man sich hinterher auch noch für blöd verkaufen lassen.

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  2. Hallo Vany.
    Meinen Glückwunsch zum neuen Heim, bzw. Grundstück wo es entstehen wird. Jepp, die erste Hürde ist geschafft, klasse.
    Aber wie Du vermutest, wird es nicht leicht werde, wenn ihr baut. Sehe ich auch genau so. Aber Du schaffst das mit deiner direkten Art und hältst ja mit deiner Meinung nicht hintern Berg, das wird schon werden.
    Schönes Wochenende genießt die schöne Herbstsonne und die letzten Stunden in deinem Garten.
    Alles liebe Ilona

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  3. Nur Kleinkram, ja? Na ich denke, wir Leser werden in kommenden Monaten viel Spaß hier haben, so treppenmäßig. Aber euch wünsche ich ganz schnell eine Übergangsbehausung und keine Treppenscherz. ;))

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  4. Arme Vany, mir geht's grad wie Deiner Mama. Ich lache und kann nicht mehr aufhören
    Liebe Gruß und schönes Wochenende
    Katala

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  5. Das muss ja nicht unbedingt sein.... drücke Euch die Daumen, dass Euer Bauträger so toll ist, wie unserer!!! Der hatte seine Leute sowas von im Griff... toll!
    Viele Grüße von Margit

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  6. :o) Meinst du, du kriegst noch Handwerker? Oder kennen die dich alle schon?
    Ach Vany, wird schon!
    Grüßle
    Ursel

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  7. Bei solchen Bauherrinnen können sich Handwerker und Architekt aber warm anziehen, da bin ich ja fast froh, dass ich so jemanden noch nie hatte :-) aber wie schon gesagt freue ich mich unglaublich auf deine Baugeschichten und werde sicher oft genauso lachen wie deine Mutter.
    liebe Grüße und viel Erfolg bei der Zwischenwohnraumsuche,
    Dani

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  8. Moin Vanylein!
    Na, was machen die Adduktoren?
    Eine fantastische Vorstellung, Du im Spagat die Treppe erklimmend.
    Also, wir hatten keine, wirklich GAR KEINE Probleme bei unserem Hausbau.
    Ach, ich freu mich mit und für Euch.
    Bis die Tage,
    Miri-Maus

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